Für mich ist es immer ein besonderer Moment, ein fertiges Manuskript in meinen Händen zu halten, egal, ob ich es selbst verfasst habe oder ob ich ein fremdes Manuskript bearbeiten darf. Denn es steckt viel Herzblut, aber auch Anstrengung in den unzähligen Seiten. Doch damit ist es nicht getan. In diesem Artikel zeige ich dir meine Vorgehensweise, wenn ich einen Text bei einem Verlag unterbringen möchte. Eine Erfolgsgarantie kann ich nicht abgeben. Und: Es gibt andere Wege, nicht jeder Weg passt für jede kreativ schaffende Person. Aber vielleicht spricht dich der eine oder andere Tipp an.

Abstand vom Text
Nachdem ich den finalen Satz meines Manuskripts geschrieben habe, ist Ruhe angesagt. Der Text fordert Distanz. Ich lege die abschließenden Sicherheitskopien an (das mache ich während des Schreibprozesses täglich), drucke mir eine Version auf Papier aus und ignoriere die Geschichte mehrere Monate lang. Dieser Abstand ermöglicht es mir, neue Sichtweisen zu entwickeln.
Jetzt nehme ich mir Zeit und kümmere mich um organisatorische Aufgaben. Das passende Genre und die Zielgruppe habe ich bereits zu Beginn meines Schreibprojekts festgelegt, ebenfalls die Art der Publikation. Persönlich tendiere ich zur klassischen Verlagsveröffentlichung. Hier gibt es zwei Wege:
Bewerbung bei einer Literaturagentur: Eine Veröffentlichung bei einem großen Publikumsverlag führt zumeist über eine Agentur, die dein Manuskript verschiedenen Verlagen anbietet. Um die richtige Literaturagentur zu finden, recherchiere ich genau, welche zu meinem Buchgenre passt. Habe ich mich für eine (oder mehrere) entschieden, achte ich akribisch genau darauf, welche Kriterien ich für die Manuskripteinreichung erfüllen muss. Und ich halte mich daran. Wenn eine Kontaktperson angegeben ist, spreche ich diese direkt an. Information am Rande: Eine seriöse Agentur verlangt niemals Geld im Voraus. Sie bekommt üblicherweise eine Provision von 15 bis 20 Prozent, sobald ein Verlagsvertrag zustande kommt.
Bei kleineren, regionalen Verlagen reiche ich mein Manuskript zumeist direkt ein. Hier gelten dieselben Bewerbungsrichtlinien wie für eine Literaturagentur. Und auch hier halte ich mich an die vorgegebenen Kriterien und adressiere die Ansprechperson persönlich. Wie schon bei den Literaturagenturen gilt auch hier: Ein seriöser Verlag verlangt niemals Geld im Voraus – Stichwort: sogenannte Druckkostenzuschussverlage.
Alternative Wege zu einem Verlagsvertrag können unter anderem Schreibwettbewerbe, Veröffentlichungen in Literaturzeitschriften, Pitch-Sessions auf Buchmessen oder eine wachsende Reichweite auf Social Media sein. Derzeit sende ich immer wieder Texte an Literaturzeitschriften und nehme an Ausschreibungen für Schreibwettbewerbe teil.
Selfpublishing kommt für mich derzeit nicht infrage. Buchmarketing zählt nämlich nicht zu meinen Lieblingstätigkeiten. Für ein Projekt, das nicht verkauft wird, würde ich die Möglichkeit aber trotzdem nutzen.
Exposé, Pitch & Autorenvita
Für die Bewerbung bei einer Literaturagentur oder einem Verlag benötigt man im Regelfall drei Dinge: das Exposé, den Pitch und die Autorenvita. Das Exposé und der Pitch entstehen bei mir bereits während des Schreibprozesses, manchmal schon bevor ich zu schreiben beginne. Das hängt davon ab, in welcher Form die Geschichte/der Stoff zu mir kommt. Während mein Manuskript auf der Festplatte schlummert, nutze ich die Zeit, um den Pitch zu schärfen und das Exposé zu verbessern. Danach gebe ich sie einer mir vertrauten Person zum Lesen und bitte sie um eine ehrliche, gnadenlose Rückmeldung. Denn die Dramaturgie sollte sowohl im Pitch als auch im Exposé klar erkennbar sein. Immerhin möchte ich einen Verlag, manchmal mit dem Zwischenschritt über eine Literaturagentur, von meinem Werk überzeugen.
Die Autorenvita habe ich einmal erstellt und passe sie je nach Projekt an – oder auch nicht.
Überarbeitung und Testleser
Sobald ich alle organisatorischen Aufgaben erledigt habe, ist es für mich an der Zeit, meinen Text für mindestens zwei bis drei Monate komplett zu vergessen. Dabei trage ich mir eine Frist im Kalender ein, sodass mein Werk nicht für immer im Daten-Dschungel verschwindet.
Nach dem »Manuskript-Urlaub« geht es an die Überarbeitung. Mittlerweile weiß ich, dass erneut viel Arbeit vor mir liegt. Plötzlich funktionieren gewisse Textpassagen nicht mehr, der rote Faden ist an einer undefinierbaren Stelle gerissen und der Text strotzt nur so von Wiederholungen und stilistisch schlechten Formulierungen. Aber jede Überarbeitungsphase bringt das Manuskript weiter. Durchhalten ist hier die Parole.
Der nächste Schritt scheint einfach zu sein, er wird aber oft unterschätzt: Ich übergebe meinen überarbeiteten Text an Testleserinnen und Testleser. Sie nehmen meine Geschichte anders wahr, als ich das als Autorin tue. Deshalb ist es mir wichtig, dass ich ein ehrliches Feedback bekomme. Lob ehrt mich zwar und tut meinem Ego gut, wichtiger sind für mich jedoch Kritikpunkte und Verbesserungsvorschläge. Nur so kann ich meinen Text verfeinern. Sobald alle Rückmeldungen eingetroffen sind, überarbeite ich mein Manuskript erneut, manchmal mehrere Male.
Bewerbung bei einer Agentur/einem Verlag
Bevor ich mich fix bei einer Literaturagentur oder bei einem Verlag bewerbe, kontrolliere ich noch einmal meine Unterlagen, die für die Manuskripteinreichung obligatorisch sind. Dazu zählen das Exposé, der Pitch, eine Leseprobe und die Autorenvita inklusive der vorhandenen Verlagsveröffentlichungen. Manche Agenturen oder Verlage möchten wissen, ob man sich bereits bei anderen vorgestellt hat. Manche verlangen das komplette Manuskript, manche wollen alle Unterlagen in einer Datei zusammengefasst erhalten, manche möchten Einzeldateien. Die Details findet man auf der jeweiligen Webseite der Verlage oder Agenturen.
Sofern ein Anschreiben gefordert wird, recherchiere ich vorab eine mögliche Ansprechperson. Ins Anschreiben kann man auch den Pitch einfügen. Man sollte es jedoch so kurz wie möglich halten. Lektorinnen und Lektoren haben viel zu tun.
Und dann heißt es warten. Ich notiere mir die Deadline, bis wann sich eine Agentur/ein Verlag spätestens zurückmeldet. Wird das Manuskript abgelehnt, bekommt man in den meisten Fällen keine Antwort.
Zusage oder Ablehnung. Wie geht es weiter?
Wird das Manuskript angenommen, wird ein Verlagsvertrag abgeschlossen. Hier geht es unter anderem um die Rechteeinräumung, um das Honorar und organisatorische Themen. Da ich keine Rechtsanwältin bin, würde ich mich im Falle eines Vertragsabschlusses als Österreicherin an die IG Autorinnen Autoren wenden. Im DACH-Raum gibt es das Aktionsbündnis für faire Verlage. Das ist ein Zusammenschluss von den folgenden Verbänden: AdS Autorinnen und Autoren der Schweiz, Bundesverband junger Autoren und Autorinnen e. V., IG Autorinnen Autoren, Verband deutscher Schriftsteller (VS) in ver.di.
Im Falle einer Ablehnung lasse ich mich nicht entmutigen. Ich schreibe, weil ich gerne schreibe. Und ich schreibe über Themen, die mich berühren. Wenn mein Text zu keinem Verlagsprogramm passt, ist das im Moment einfach so. Der Text ist da. Vielleicht bekommt er zu einem späteren Zeitpunkt eine neue Chance. Und vielleicht bekomme ich aufgrund einer Ablehnung eine Anfrage zu einem neuen Projekt, das ins Programm passt und das mir Freude bereitet. Man weiß nie.
Selfpublishing ist im Moment kein Thema für mich. Ich verstehe jedoch, weshalb andere Autorinnen und Autoren eine Veröffentlichung im Selbstverlag bevorzugen.
Was müsste ich beim Selfpublishing beachten?
Würde ich mich dazu entscheiden, mein Manuskript selbst zu verlegen, gäbe es mehrere Punkte, die ich beachten müsste. Zuallererst würde ich mich über die anfallenden Kosten informieren. Externe Dienstleistende müssten bezahlt werden. Ich würde vorab abwägen, welches Budget ich für mein Projekt hätte und ob die Umsetzung jetzt möglich wäre. Für mich wäre es wichtig, meine Wertschätzung gegenüber den Dienstleistenden auch im Hinblick auf Geld zu zeigen. Immerhin müssten auch diese Personen ihren Lebensunterhalt absichern.
Jedes Buch benötigt einen Buchrückentext, manchmal auch einen Klappentext. Diese Texte würde ich zuerst verfassen und überarbeiten.
Meine eigene Überarbeitung des Manuskripts und des Buchrückentextes ersetzt jedoch kein Lektorat. Ich würde mir eine freie Lektorin oder einen freien Lektor suchen, die oder der sich mit meinem Buchgenre auskennt. Obwohl ich selbst als freie Lektorin arbeite, würde ich mein Manuskript nicht selbst lektorieren. Ich wäre betriebsblind.
Zwischenzeitlich müsste ich mich für einen Selfpublishing-Anbieter entscheiden: Die gängigsten Anbieter sind mit Stand Juni 2026 Kindle Direct Publishing (KDP), BoD, tredition, epubli, oder in Österreich die Buchschmiede. In Folge müsste ich mich für das genaue Buchformat, die Papierart und die Machart (Hardcover, Softcover, Fadenbindung, Klebebindung etc.) entscheiden. Außerdem würde ich darauf achten, dass ich von meinem Anbieter eine ISBN bekomme.
Nach dem Lektorat würde ich die von der Lektorin oder dem Lektor vorgeschlagenen Änderungen in mein Manuskript einarbeiten. (Diesen Prozess durchläuft man natürlich auch, wenn man bei einem Verlag unter Vertrag steht). Eventuell hätte ich einen zweiten Durchgang mit der Lektorin oder dem Lektor vereinbart.
Im Anschluss müsste ich ein Korrektorat buchen. Dabei geht es um die korrekte Rechtschreibung, Grammatik und Zeichensetzung.
Sobald das Manuskript fertig korrigiert wurde, müsste es gesetzt werden. Das heißt, ich würde eine Dienstleisterin oder einen Dienstleister benötigen, die oder der die Leistung Buchsatz anbietet, am besten mit einer abschließenden Umbruchkorrektur. Oft bieten Lektorinnen und Lektoren bzw. Grafikerinnen und Grafiker ein professionelles Buchsatzpaket an.
Ein weiterer Schritt wäre die Covergestaltung. Da ich in meinem Multimedia-Art-Studium eine grafische Grundausbildung erlangt habe, könnte ich das wahrscheinlich selbst erledigen. Alternativ würde ich eine Grafikerin oder einen Grafiker beauftragen. Die korrekten Maße für die Covergestaltung bekäme ich erst, sobald ich mein gesetztes Buch bei meinem gewählten Selfpublishing-Anbieter hochgeladen und mich für die Machart des Buchs entschieden hätte.
Nebenbei müsste ich schön langsam mein Buchmarketing aufbauen.
Sobald ich alle Dateien beim gewählten Anbieter hochgeladen hätte, würde es nicht mehr lange dauern und mein Buch wäre als Print-On-Demand-Artikel bei Amazon, Thalia oder anderen Vertrieben erhältlich.
Fazit
Es ist ein langer, aber schöner Weg, bis das Manuskript den Weg ins Buchregal findet. Je sorgfältiger ich mit meinem Manuskript umgehe, desto größer ist die Chance einer Verlagsveröffentlichung. Sich genügend Zeit für die Bearbeitung zu nehmen, das Manuskript ruhen zu lassen und Verbesserungsvorschläge durchzudenken und ganz gelassen anzunehmen, das sind für mich, neben dem eigentlichen Schreibhandwerk, die wichtigsten Bausteine für ein erfolgreiches Buch.
Ich freue mich jedes Mal, wenn ich ein fertiges Manuskript in meinen (virtuellen) Händen halte, unabhängig davon, ob ich es selbst geschrieben habe oder ob mir jemand sein eigenes Manuskript anvertraut. Denn ich weiß, wie viel Arbeit und Herzblut in den Text eingeflossen sind. Mir ist bewusst, dass jeder veröffentlichte Text zumindest einen Menschen auf irgendeine Art und Weise bereichern wird. Und das liebe ich am Schreiben.
Tipp
Bevor du dich an die passende Literaturagentur oder den passenden Verlag wendest, sorge dafür, dass die Dramaturgie deines Manuskripts rund ist, auch wenn du es für die Bewerbung noch nicht benötigst. Dasselbe gilt für das Exposé. Es sollte aussagekräftig sein und alle wichtigen Informationen liefern. Wähle eine ausdrucksstarke Leseprobe und gestalte das Anschreiben so kurz wie möglich. Mach es dem Verlag oder der Agentur leicht, deinen Text zu mögen.
TEXT Martina Anna Linortner. FOTOS Martina Anna Linortner.
www.martina-anna-linortner.at
