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Lektorat oder Korrektorat? Oder beides?

Lektorat oder Korrektorat? Oder beides?

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Martina Anna Linortner
7 Min. Lesezeit

Diese Frage bekomme ich oft gestellt, und zwar in unterschiedlichen Formulierungen: »Reicht ein Korrektorat für mein Manuskript?«, »Warum brauche ich eigentlich ein Lektorat?« oder »Ist ein Korrektorat im Lektorat inbegriffen?« Die beiden Fachbegriffe werden im Alltag gerne synonym verwendet. Allerdings stecken zwei vollkommen unterschiedliche Arbeitsschritte dahinter. In diesem Artikel erkläre ich dir, worin sich Lektorat und Korrektorat unterscheiden, warum die Reihenfolge eine Rolle spielt und wie du für dich entscheidest, was du für dein Manuskript momentan benötigst.

Lektorat Bücher in der Natur

Was ist ein Lektorat?

Im Lektorat geht es um den Feinschliff deines Textes, und zwar auf zwei Ebenen. Im ersten Schritt schaue ich mir den strukturellen Aufbau und die Logik des Inhalts an: Ist die Dramaturgie schlüssig? Haben deine Figuren klare Ziele? Gibt es Konflikte? Bleibt der Text dem Genre treu? Um Fragen dieser Art kümmere ich mich in einem Lektorat mit Schwerpunkt Inhalt & Struktur. Es geht unter anderem um den Plot, die Figurenentwicklung oder den Spannungsaufbau.

Im zweiten Schritt widme ich mich dem Stil und der Sprache. Gibt es überflüssige Adjektive? Wurden Füllwörter gestrichen? Passt der Tonfall zur Geschichte und zu den Figuren? Auch Dialoge, Satzlänge, Passivkonstruktionen oder Wiederholungen nehme ich mir vor. Deine persönliche Autorenstimme bleibt dabei unangetastet. Es geht nicht darum, deinen Text nach meinem Geschmack umzuschreiben, sondern darum, ihn so zu schärfen, dass er für Lesende eine angenehme und gleichzeitig spannende Erfahrung wird.

Ich merke in meiner Arbeit als Lektorin immer wieder, dass gerade der strukturelle Aufbau eines Textes oft unterschätzt wird. Viele Autorinnen und Autoren, die zu mir kommen, sind mit ihrem Text sprachlich schon sehr weit, aber die Dramaturgie hakt an einer Stelle, die ihnen selbst meist nicht bewusst ist. Das ist völlig normal, da man seinen eigenen Text ohnehin sehr gut kennt. Mir geht es bei meinen eigenen Texten nicht anders. Genau deshalb ist der Blick von außen nötig.

Was ist ein Korrektorat?

Ein Korrektorat setzt an einer anderen Stelle an. Hier prüfe ich deinen bereits lektorierten Text auf Fehler in der Grammatik, Rechtschreibung und Zeichensetzung, bei Bedarf ergänzt um einen Gendercheck. Stimmt die Kommasetzung? Ist die Rechtschreibung durchgängig korrekt? Wurden grammatikalische Fehler übersehen? Ein Korrektorat ist damit der letzte Feinschliff, bevor dein Text weiter in den Buchsatz geht.

Ein Korrektorat liest sich für mich übrigens ganz anders als ein Lektorat. Während ich beim Lektorat gedanklich bei der Geschichte und den Figuren bin, lese ich dein Manuskript beim Korrektorat konzentriert Zeile für Zeile. Es ist eine andere Art von Aufmerksamkeit, fast schon meditativ, und genau deshalb ist es wichtig, beide Arbeitsschritte nicht miteinander zu vermischen.

Der Unterschied auf den Punkt gebracht

Vereinfacht gesagt, das Lektorat konzentriert sich auf die Funktion, die Verständlichkeit und die Lesbarkeit des Textes. Das Korrektorat kümmert sich um die höchstmögliche Fehlerfreiheit des Manuskripts. Ein Lektorat verändert unter Umständen Szenen, Absätze oder ganze Kapitel. Ein Korrektorat verändert Satzstellungen, Wörter, Buchstaben und Satzzeichen. Deshalb lautet meine Antwort auf die häufig gestellte Frage »Beinhaltet ein Lektorat automatisch ein Korrektorat?« auch immer: Leider nein. Natürlich kümmere ich mich während des Lektorats um Fehler, die mir ins Auge springen, mein Fokus liegt in dieser Phase jedoch klar auf dem Lektorieren.

Weshalb die Reihenfolge zählt

Genau deshalb ergibt die Reihenfolge Lektorat vor Korrektorat so viel Sinn. Stell dir vor, du lässt zuerst jedes Komma und jeden Buchstaben deines Manuskripts prüfen, und danach wird im Lektorat noch eine ganze Szene umgestellt oder ein Kapitel gekürzt. Die mühevolle Korrekturarbeit an genau diesen Textstellen war dann größtenteils umsonst, weil sich der Text danach erneut verändert. Sinnvoller ist es, zuerst die großen Fragen zu klären, also Struktur, Figuren oder Logik, und den Text erst dann, wenn er inhaltlich und stilistisch steht, auf Herz und Nieren nach Fehlern zu durchsuchen. So sparst du dir am Ende Zeit, Geld und Nerven.

Benötige ich beides?

Das kommt auf dein Projekt und dein Ziel an. Wenn du unsicher bist, ob deine Geschichte überhaupt funktioniert, ob der Plot trägt oder ob deine Figuren glaubwürdig sind, startest du am besten mit einem Lektorat, eventuell sogar mit einer Ersteinschätzung deines Manuskripts. Wenn dein Manuskript bereits mehrere Überarbeitungsrunden hinter sich hat und du selbst und deine Testlesenden damit zufrieden sind, reicht möglicherweise ein Korrektorat.

Willst du dein Manuskript aber tatsächlich veröffentlichen oder es einfach in bestmöglicher Form in den Händen halten, empfehle ich beides: erst das Lektorat, dann das Korrektorat. So stellst du sicher, dass sowohl die Geschichte als auch jedes einzelne Wort überzeugt.

»Schreibregeln sind keine Gesetze. Schreibregeln sind Werkzeuge.«

Hans Peter Roentgen (Lektor, Autor)

Fazit

Lektorat und Korrektorat sind zwei unterschiedliche Werkzeuge für zwei unterschiedliche Ziele. Das eine kümmert sich unter anderem um den Plot, die Figuren oder den Stil, das andere um die Rechtschreibung, die Grammatik und die Zeichensetzung. Beide Schritte ergänzen einander, ersetzen sich aber nicht. Wenn du dir unsicher bist, was dein Manuskript gerade benötigt, schick mir gerne die ersten Seiten oder dein komplettes Projekt. Im Rahmen einer Ersteinschätzung finden wir heraus, welcher Weg für deinen Text der richtige ist.

Buchtipp
Buchtipp: Hans Peter Roentgen - Was dem Lektorat auffällt

Hans Peter Roentgen: Was dem Lektorat auffällt.

Sieben Verlag. 2019. ISBN 9783864438752. Niemand wirkt so im Geheimen wie Lektoren. Sie arbeiten im Dunkeln wie Maulwürfe, die unter den Buchseiten leben und von denen man nur die Produkte sieht: die lektorierten Bücher. Doch erfolgreiche Autoren schwören auf ihre Lektoren. Sie wissen, wie man Texte poliert, verbessert, ihr Potenzial nutzt. Egal, ob es um Füllwörter, Spannungsbogen, Absätze oder Leerzeilen, Plot und Exposés geht. Hans Peter Roentgen hat in seinen Artikeln zusammengefasst, was Lektoren auffällt. Wie man die Fallen vermeidet und das Potenzial seiner Geschichte optimal nutzt. Er zeigt Ihnen, wie Sie diesen Erfahrungsschatz für Ihr Manuskript nutzen können.

TEXT Martina Anna Linortner. FOTOS Pamela Kern, Martina Anna Linortner.
www.martina-anna-linortner.at, www.framebox.at

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